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Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung

Der Hund ist der engste und längstgediente Tiergefährte des Menschen. Die Beziehung zwischen Menschen und ihren Hunden, sowie anderen Kumpantieren ist zwar einerseits von großem öffentlichen Interesse und gesellschaftlicher Bedeutung, andererseits aber wenig erforscht. Eine zwischenartliche Sozialbeziehung scheint durch gemeinsame evolutionäre Voraussetzungen ermöglicht zu werden. Dazu zählen Gehirnstrukturen, sowie physiologische und psychologische Mechanismen.

In diesem evolutionären Theorierahmen zielt das Projekt „Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung“ darauf ab, durch Integration von Verhalten sowie physiologischer und psychologischer Parameter die Beziehung zwischen Mensch und Hund besser zu verstehen. In einer Pilotstudie an 22 Mensch-Hund-Teams (weibliche und männliche Halter von intakten Rüden) zeigte sich, dass die Interaktions- und Beziehungsmuster, die praktische Funktionalität des Teams, sowie die beziehungsabhängigen Muster des Stresshormons Kortisol bei beiden Partner vorwiegend von Persönlichkeitsmerkmalen und Einstellung, sowie vom Geschlecht der Besitzers abhing (Kotrschal et al. 2009; Schöberl et al. in press; Wedl et al. 2010). Nun wollen wir die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dieser Pilotstudie nutzen und unsere Hypothesen zur Ausbildung von Beziehungsmustern an einer repräsentativen Stichprobenanzahl untersuchen. 


Hierfür testen wir 120 Mensch-Hund-Paare, sowohl Männer als auch Frauen mit ihren unkastrierten Rüden und Hündinnen, je 30 aus jeder Geschlechterkombination. Innerhalb von zwei Treffen wird das Verhalten von Halter und Hund während verschiedener Testsituationen auf Videos aufgezeichnet und anschließend mithilfe der Software „The Observer XT 10.5“ (Noldus) kodiert. Zusätzlich werden die Interaktionen zwischen Hund und Halter auf versteckte zeitliche Muster (T-Patterns) mittels der Software „Theme“ (Noldus) analysiert. Die Persönlichkeitsstruktur des Halters und des Hundes, sowie die Beziehung und Bindung des Halters zum Hund wird über Fragebögen erhoben. Schließlich soll aus Speichelproben von Hund und Halter die Kortisolwerte der Partner in Alltagsituationen und nach Herausforderungen gemessen werden. Im Rahmen des zweiten Treffens werden auch Herzfrequenzmessungen von Hund und Halter vorgenommen. 


Unsere Ergebnisse werden nicht nur das Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung vertiefen; es ergibt sich vielmehr aus unserer Pilotstudie, dass Mensch-Tier-Dyaden ein relevantes Modellsystem zur Erforschung der Regelhaftigkeit von Langzeitbeziehungen (einschließlich Mensch-Mensch) darstellen. Schließlich kann ein besseres Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung auch die praktische Arbeit mit Haltern und ihren Hunden und damit die gesellschaftliche Akzeptanz der Hundehaltung verbessern. 

Die Datennahme für dieses Projekt ist bereits abgeschlossen. Wir danken allen Teilnehmern für Ihre Zeit und Unterstützung!

Das Projekt wird finanziert vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF): P 23345-B17

Forschungsgruppe
Mensch-Tier-Beziehung

Department für Verhaltensbiologie
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Letzte Änderung: 13.08.2010 - 14:52