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Persönlichkeitskomponenten der Mensch-Hund-Beziehung

Kotrschal, K., Schöberl, I., Bauer, B., Thibeaut, A.-M. & Wedl, M. (2009): Dyadic relationships and operational performance of male and female owners and their male dogs. Behavioural Processes, 81, 383 - 391.

Wedl, M., Schöberl, I., Bauer, B., Day, J. & Kotrschal, K. (2010): Relational factors affecting dog social attraction to human partners. Interaction studies, 11 (3), 482-503.

Schöberl, I., Wedl, M., Bauer, B., Day, J., Möstl, E. & Kotrschal, K.: Effects of owner-dog relationship and owner personality on cortisol modulation in human-dog dyads. Anthrozoös, in press.


Im Rahmen dieser Pilotstudie untersuchten wir mittels ethologischer und psychologischer Methoden, welche individuellen und sozialen Faktoren Verhalten und Interaktionen von Mensch-Hund-Paaren und die Aufmerksamkeit von Hunden ihren Besitzern gegenüber beeinflussen. Von weiterem Interesse waren die praktische Funktionalität und das Stressmanagement dieser Paare. Wir untersuchten unter anderem die Persönlichkeit von Hund und Besitzer sowie die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung und Mensch-Hund-Bindung. Zusätzlich wurde untersucht, ob Rüden in Frauenhand sich anders verhalten als Rüden in Gesellschaft von Männern.

Das Verhalten von 22 Mensch-Hunden-Dyaden wurde im Rahmen von drei Treffen dokumentiert. Hierfür wurden unkastrierte Rüden, 1,5 bis 6 Jahre, und deren Halter, Männer und Frauen im Alter von 18 bis 68 Jahren, sowohl in gewohnter (beim Hundehalter zuhause) als auch in neuer, standardisierter Umgebung (in einem Testraum an der Universität Wien) im Laufe verschiedener Testsituationen beobachtet und gefilmt. Fragebögen wurden von insgesamt 40 Hundebesitzern ausgefüllt. Die verschiedenen Fragebögen gaben einen Aufschluss über die Persönlichkeit des Besitzers (gemessen mittels NEO-FFI), das Lebensumfeld der Mensch-Hund-Dyade, sowie die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung und –Bindung. Zudem wurden für die Bestimmung des Stresshormons Kortisol im Zuge der Versuchsreihe Speichelproben von Hund und Halter entnommen. Das Videomaterial ausgewählter Testsituationen wurde mithilfe der Software The Observer Video Pro (Noldus) analysiert. Die Persönlichkeit des Hundes wurde durch Beobachter-Bewertungen, ebenfalls anhand von Videomaterial, charakterisiert.

Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Persönlichkeit von Besitzer und Hund, die Mensch-Hund-Bindung und -Beziehung, sowie das Geschlecht des Besitzers einen starken Einfluss auf die Aufmerksamkeit des Hundes gegenüber seinen Besitzer haben. Je höher der Besitzer auf der Neurotizismus-Achse (FFI-Dimension 1, Menschen mit hohen Werten entlang dieser Achse haben geringe emotionale Stabilität und blicken eher pessimistisch in die Zukunft), je mehr der Besitzer seinen Hund als „sozialen Unterstützer“ betrachtete und je wichtiger es für den Besitzer war, „Zeit mit seinem Hund zu verbringen“, desto länger hielt sich der Hund in der Nähe des Besitzers auf. Auch Hunde von Besitzern hoch auf der Neurotizismus-Achse hielten sich länger in der Nähe des Besitzers auf. Hunde dieser Besitzer hatten geringere Kortisolwerte im Alltag. Es zeigte sich zudem, dass Hundehalter für die es sehr wichtig war, mit ihrem Hund gemeinsam viel zu unternehmen, eher niedrigere Kortisolwerte zeigten, ihre Hunde hatten jedoch relativ höhere.

Unsere Ergebnisse sind für ein besseres Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung und -Interaktion von Bedeutung. Weiters bildeten die Ergebnisse dieser Pilotstudie die Grundlage für unsere aktuell laufendes FWF-Projekt „Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung“.


Wir danken IEMT Österreich für die Finanzierung.


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Mensch-Tier-Beziehung

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Letzte Änderung: 13.08.2010 - 14:52