Logo der Universität Wien

Kooperation Mensch-Hund und Mensch-Wolf (Spaziergänge an der Leine)

Hunde sind nicht nur die ältesten Haustiere der Menschen, sie leben und arbeiten auch auf vielfältigste Weise und sehr eng mit ihnen zusammen. Wie wir mittlerweile wissen, stammt der Hund vom Wolf ab. Heute lebende Wölfe haben mit unseren Haushunden gemeinsame Vorfahren und zeichnen sich durch ihre hohe soziale Intelligenz und durch ihre Bereitschaft im Rudel miteinander zu kooperieren aus.

Die Kooperations-Studie untersucht und vergleicht erstmalig Dyaden von Mensch und Wolf mit Mensch-Hund-Dyaden. Dazu benötigt es vor allem zahme, an den Menschen sozialisierte Wölfe. Die einzigartige Gelegenheit, diese Studie durchzuführen, bot sich im 2008 gegründeten Wolf Science Center, wo Wölfe und Hunde von Hand aufgezogen werden und ein ähnliches Training wie normale Familienhunde bekommen. Neben Übungen wie „Sitz“ und „Platz“ lernen sie auch an der Leine zu gehen. Wölfe und Hunde werden dabei von einem Team aus acht bis zehn HandaufzieherInnen und TrainerInnen betreut. Die Beziehungen der BetreuerInnen zu den einzelnen Tieren geben einerseits Aufschluss über Faktoren des individuellen Kooperationsverhalten, andererseits können Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Wölfen und Hunden im Kooperationsverhalten mit ihren menschlichen Begleitern aufgezeigt werden.

Ein Spaziergang an der Leine ist für die meisten Hundebesitzer eine tägliche Routine. Hund und Mensch, verbunden durch die Leine, bilden eine Dyade mit dem Ziel einen gemeinsamen Weg zu finden und verfolgen dabei unterschiedliche Verhaltens- und Kooperationsstrategien. Studien der Mensch-Hund-Beziehung konnten bereits zeigen, dass Faktoren wie Persönlichkeit und Geschlecht die Leistung einer Mensch-Hund-Dyade beeinflussen. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie entwickelten wir ein Konzept zur Analyse von Kooperationsverhalten während eines standardisierten dyadischen Spaziergangs an der Leine.

Die BetreuerInnen absolvieren mit jedem handaufgezogenem Wolf bzw. Hund dreimal einen standardisierten Spaziergang (an drei verschiedenen Wegstrecken). Im Winter 2008/2009 wurden 96 solcher Spaziergänge von den ersten vier Wölfen und ihren acht BetreuerInnen durchgeführt; im Jahr darauf waren es 126 Spaziergänge von sechs Wölfen und sieben HandaufzieherInnen. Für die Zukunft ist geplant, mit allen Wölfen und Hunden, die im WSC aufwachsen, diese standardisierten Spaziergänge durchzuführen.

Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen, dass auch handaufgezogene Wölfe individuelle Beziehungen zu ihren BetreuerInnen bilden. Ähnlich der Mensch-Hund-Kooperation wird auch das Mensch-Wolf-Kooperationsverhalten von Persönlichkeitsfaktoren, individuellen dyadischen Beziehungen und unterschiedlichen Interaktionsstilen beeinflusst. Gehäuftes Belohnen mit Futter verbessert beispielsweise die Führung des Spaziergehers. Gute Führung seitens des Spaziergehers bedeutet, dass dieser länger voran geht, sozusagen die Führungsposition inne hat und dass das Voranschreiten seltener aufgrund unterschiedlicher Motivationen von Wolf und Mensch stoppt.

Vergleichende Kooperationsstudien mit handaufgezogenen Hunden werden zeigen, welchen Einfluss der Domestikationsprozess des Hundes auf die Kooperationsbereitschaft mit Menschen nahm. Ein erweitertes Wissen über das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Interaktionsstil und Kooperationsverhalten wird auch neue Aspekte im Training von Hunden aufzeigen und zu einem besseren und verständnisvolleren Zusammenleben mit unseren langjährigen Kumpanen führen.

Forschungsgruppe
Mensch-Tier-Beziehung

Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
Althanstraße 14
A-1090 Wien
F: +43-1-4277-545 06
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0
Letzte Änderung: 13.08.2010 - 14:52