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DACH-Projekt: Stress coping bei unsicher gebundenen Kindern in Abhängigkeit der emotionalen sozialen Unterstützung durch Mensch oder Hund

(Kooperation der IEMTs Schweiz, Deutschland und Österreich; A. Beetz & H. Julius et al., Rostock; K. Uvnäs-Moberg et al., Stockholm; K. Kotrschal et al. Wien)

Das gesundheitsfördernde Potential der Mensch-Tier Beziehung ist in der wissenschaftlichen Literatur vielfach beschrieben. Besonders die Reduktion von Stress durch die Anwesenheit und Interaktion mit Tieren hat eine heilsame als auch präventive Wirkung, da ein Großteil aller Krankheiten stressbedingt sind. Dennoch fehlt bis heute die Kenntnis der physischen und psychischen Mechanismen sowie deren biologischer Substrate, die der positiven Wirkung der Mensch-Tier Beziehung zugrunde liegen. Das Ziel dieser Studie ist es durch einen interdisziplinären Ansatz diese Wirkmechanismen zu identifizieren.
Auf einer basalen Ebene löst die Anwesenheit von ruhenden, entspannten Tieren beim Menschen einen angstfreien, entspannten Zustand und ein Gefühl der Sicherheit aus. Grund dafür sind die verlangsamten Regulationen des vegetativen Nervensystems. Auf der Bindungsebene begünstigt dieser Effekt die Genese sicherer Bindungen von Mensch zu Hund, weil die Bereitstellung von Sicherheit und die Reduktion von Stress die zentralen Funktionen von Bindung sind. Schutz vor Stress wird vor allem durch emotionale Unterstützung erzielt, doch nur Menschen mit positiven Bindungserfahrungen suchen in Stresssituationen nach sozialer Unterstützung und können somit die Belastung für ihre Gesundheit minimieren. Da Bindungserfahrungen von Mensch zu Mensch übertragen werden fällt es unsicher gebundenen Menschen schwer positive Erfahrungen zu sammeln und sich somit vor Stress zu schützen. Diese Übertragung trifft allerdings nicht auf die Tier-Mensch Beziehung zu. Durch die Interaktion mit einem Hund könnten auch Bindungen zu Menschen stimuliert und Stress reduziert werden. Das biochemische Substrat für diesen Effekt könnte das Hormon Oxytocin sein.
In dieser Studie wurden jeweils 20 unsicher gebundene und 20 sicher gebundene Knaben im Alter von 8 bis 12 Jahren getestet. Sie wurden alle einer Stresssituation in Form eines schulischen Leistungstest ausgesetzt. Während der ganzen Zeit stand einer Hälfte ein Hund, der anderen Hälfte ein Student als soziale und emotionale Unterstützung zur Seite. Als Indikator für den ausgelösten Stress auf biochemischer Ebene dient freies Speichelkortisol, das mittels Salivetten zu 6 unterschiedlichen Zeitpunkten während des Versuches erhoben wurde. Die vegetativ-emotionalen Reaktionen wurden über Messung physischer Parameter wie Hautwiderstand, Hautpotential und Erstellung eines Elektromyogramms ermittelt. Mit Hilfe dieses neu entwickelten Ansatzes zur chronobiologischen Regulationsanalyse lässt sich auch der Grad der Synchronisation der vegetativen Parameter bestimmen. Im zeitlichen Verlauf spiegelt sich die Belastung des Kindes während der Stresssituation und der Effekt des Hundes wider. Das Verhalten der Kinder wurde mit dem Noldus Observer Video-Pro Programm codiert. Die Verhaltensdaten komplettieren den multidisziplinären Ansatz und liefern wichtige Informationen über die Aktivität, die Interaktionsbereitschaft und den emotionalen Ausdruck der Kinder.
Erste Ergebnisse dieser Studie sind vielversprechend. Kinder in der Anwesenheit des Hundes im Vergleich zur Gruppe mit Student zeigten keinen Anstieg der Cortisolwerte während der Testsituation. Weiters waren Kinder in Anwesenheit der Hunde viel aktiver, deshalb beruht der stressreduzierende Effekt nicht nur auf der bloßen Anwesenheit des Hundes, sondern auf einer aktiven Kind-Hund Interaktion.

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Forschungsgruppe
Mensch-Tier-Beziehung

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Letzte Änderung: 13.08.2010 - 14:52