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Beziehung zwischen Menschen und ehemaligen Straßenhunden

Eine gemeinsame evolutionäre Vergangenheit und gleiche Gehirnstrukturen und -funktionen für soziales Verhalten bilden die Grundvoraussetzung, dass eine echte soziale Beziehung zwischen Mensch und Hund überhaupt entstehen kann. Um den Mensch aber als Sozialpartner anzuerkennen, sollte die Sozialisierung mit diesem in einer frühen, sensiblen Lebensphase des Hundes stattfinden. In dieser Phase festigt sich das Bild der späteren, sozialen Umwelt und geeignete Sozialpartner werden nachhaltig eingeprägt.

Wie verhält es sich aber, wenn die Sozialisierung mit dem Menschen vielleicht nicht ausreichend war oder der Kontakt mit Menschen sogar negativ behaftet ist? In vielen Ländern Europas sind Hunde, die auf der Straße leben, ein häufig anzutreffendes Bild. Tierschutzorganisationen vermitteln diese Hunden unter anderem nach Österreich, wo immer mehr Menschen ehemalige Straßenhunde zu übernehmen.
In unserer Studie wollen wir einerseits, einen genaueren Blick auf Menschen werfen, die sich für solche Hunde, mit unbekannter Vergangenheit, entschieden haben. Gibt es beispielsweise Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur oder Empathie-Fähigkeit zu anderen Hundehaltern oder unterscheiden sie sich in ihrer generellen Einstellung Tieren gegenüber? Andererseits interessiert uns aber auch die Persönlichkeit der Hunde, ob diese  Verhaltensäuffälligkeiten zeigen und inwieweit sie sich in unsere Umwelt integrieren konnten. Diese Fragen werden mit Hilfe von Fragebögen und Verhaltensbeobachtungen an 20 Mensch-Hund-Paaren ermittelt. Da bereits in der Pilotstudie des Projekts „Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung“ gezeigt werden konnte, dass Interaktions- und Beziehungsmuster vom Geschlecht des Besitzers abhängig sind (Kotrschal et al. 2009; Schöberl et al. 2012; Wedl et al. 2010), werden in dieser Studie nur weibliche Halter getestet. Die Hunde müssen mit spätestens 6 Monaten übernommen worden sein, seit mindestens einem Jahr als Einzelhund bei Ihrem Besitzer leben und kastriert sein. Für die Verhaltensbeobachtung werden Hund und Halter, wie in der Hauptstudie „Faktoren der Mensch-Hund Beziehung“, verschiedene Testsituationen durchspielen, die mit Video aufgezeichnet und anschließend mit Hilfe der Software „The Observer XT“ kodiert werden.
Wir erhoffen uns von dieser Studie einen besseren Überblick über das neue Leben von ehemaligen Straßenhunden und ihre Integration in unsere Umwelt zu bekommen. Sie soll außerdem die Kenntnisse über die Mensch-Hund-Beziehung weiter vertiefen, da die Ergebnisse dieser Studie mit Ergebnissen aus der Hauptstudie verglichen werden können. Somit können mögliche, neue Facetten der komplexen Struktur der Mensch-Hund-Beziehung aufgezeigt und das derzeitige Wissen über Mechanismen des Beziehungsaufbaus erweitert werden. Unsere Ergebnisse können vielleicht auch zu einem besseren, gesellschaftlichen Verständnis für ehemalige Straßenhunde beitragen.
Falls Sie Interesse haben an dieser Studie teilzunehmen erfahren Sie hier  mehr.

Das Projekt wird finanziert vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF): P 23345-B17
und von
Waltham Center for Pet Nutrition: FA 566001

Forschungsgruppe
Mensch-Tier-Beziehung

Department für Verhaltensbiologie
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E-Mail
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Letzte Änderung: 13.08.2010 - 14:52